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Utopie Universität. Eine Ideensammlung

Zoom-Workshop Im Apparat, 4. Dezember 2021

Programm

Eröffnung: Andreas Becker und Christopher Schelletter
9.45 h MEZ - 17.45 h japanischer Zeit

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Andreas de Bruin: Achtsamkeit und Meditation im Hochschulkontext – eine Utopie?
10.00 Uhr MEZ, 18.00 Uhr japanischer Zeit ⤵

An der Hochschule München und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München finden im Rahmen des sogenannten Münchner Modells reguläre Lehrveranstaltungen zum Thema »Achtsamkeit und Meditation« statt. Seit seinen Anfängen im Jahr 2010 wurde das Programm fortwährend erweitert, mittlerweile nehmen pro Semester über 150 Studierende aus mindestens 24 Studiengängen daran teil. Zudem gibt es eine Reihe an Zusatzangeboten für Studierende, Lehrende sowie Angehörige des Hochschulapparats. Das Modell hat inzwischen national sowie international eine hohe Anerkennung und dient als Katalysator für andere Hochschulen, Achtsamkeits- und Meditationsansätze im Hochschulkontext sowie im Bildungssystem allgemein zu verankern.
Im Vortrag berichtet der Initiator und Leiter des Münchner Modells Prof. Dr. Andreas de Bruin über den bisherigen Weg des Münchner Modells. Wie waren die Anfänge der Implementierung? Welche Reaktionen gab es von der Hochschulleitung und aus dem kollegialem Umfeld? Wie war die Resonanz unter den Studierenden? Wie wurden die Lehrinhalte zusammengesetzt und wie die Leistungsnachweise? Am Ende wird auch ein Blick in die Zukunft geworfen: Welche Schritte sind für die Zukunft anvisiert? Welche Chancen und Herausforderungen werden erwartet?
CV Prof. Dr. Andreas de Bruin⤵
Prof. Dr. Andreas de Bruins Hauptfelder in Forschung und Lehre sind Achtsamkeit und Meditation und deren Auswirkungen auf physischer, emotionaler, kognitiver und sozialer Ebene. Er unterrichtet zudem bewusstes Wahrnehmen in der Malerei und in der klassischen Musik; weitere Fächer sind Hochbegabung sowie Kreativität im Allgemeinen.

Weitere Informationen unter [Link]

Einstiegsliteratur (Deutsch/Englisch):⤵
de Bruin, Andreas (2021). Achtsamkeit und Meditation im Hochschulkontext. 10 Jahre Münchner Modell. Bielefeld: transcript. kostenloses E-Book [Link]
Printversion [Link]
Primary literature
de Bruin, Andreas (2021). Mindfulness and Meditation at University. 10 Years of the Munich Model. Bielefeld: transcript.
free e-book (download, English) [Link]
print version (English) Columbia University Press (USA and world) [Link]
print version (English) transcript publishing (Germany) [Link]
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Studio GROSS: Wie werden wir zusammen wohnen?
Der Vortrag wurde leider abgesagt. Wir werden aber den Film zeigen und darüber sprechen!
10.40 Uhr MEZ, 18.40 Uhr japanischer Zeit ⤵

Neben ihrer praktischen und wissenschaftlichen Arbeit sind sie in den Bereichen Film, Fotografie, Illustration und als Kuratoren tätig. Aufgrund der steigenden Nachfrage ihrer interkulturellen Erfahrung als Deutsche in Japan gründeten sie 2019 Studio GROSS.
Ihr Studio: ein kleiner Eckladen in einem leerstehenden Haus (Akiya), der nach einigen Renovierungsarbeiten Raum bietet zum Wohnen, Arbeiten und für die Öffentlichkeit.
Ihre Vision: ein Experimentierfeld für Architektur und Stadt schaffen. Ein Ort, an dem sie sowohl der lokalen Nachbarschaft als auch einem Fachpublikum Inhalte präsentieren, die sich mit der Dynamik von Nachbarschaft und dem Wohnen selbst befassen. Durch Dokumentarfilme und Sanierungsprojekte zeigen sie alternative Nutzungskonzepte, die zum Denken anregen und einen Diskurs starten, der sich mit der Frage beschäftigt: Wie werden wir zusammen wohnen?

In dem Beitrag zeigen wir unseren Dokumentarfilm »A Story of a House« und sprechen darüber.
Anne und Sebastian Gross (2021): A Story of a House [Link]

Homepage Studio GROSS und Infos [Link]
Pause
11.20 h MEZ - 19.20 h japanischer Zeit

Giacomo Greggio: How did Jimi Hendrix play the Villanova Junction at the Woodstock Festival? A practical introduction
11.30 h MEZ, 19.30 h japanischer Zeit ⤵

For years I play Jimi Hendrix songs on guitar and teach how he plays them, what techniques he uses and how he creates his fabulous sounds. I want to demonstrate this in some examples live.
Homepage Greg Guitar [Link]
Ulrich Johannes Beil: »Sind wir dazu verdammt, intelligent zu werden?« Mit Humboldt in den neuen Frei-Raum des Digitalen
11.50 h MEZ - 19.50 h japanischer Zeit ⤵
Durch die Auslagerung ungeheurer Wissensmengen aus unseren Köpfen in winzige „Techno-Prothesen“ haben wir in der Epoche der fortgeschrittenen Digitalisierung, wie Michel Serres betont hat, zusehends Freiraum gewonnen. Dieser Freiraum scheint noch immer zu wenig genutzt zu werden.
Es wäre von daher an der Zeit, dass das wissenschaftliche ‚Selbst‘ sich von einem vielbeschäftigten Datensammler in ein Subjekt der Koordination und Verknüpfung verwandelt, der Erfindung und des geistigen ‚Nomadentums‘ (Dirk Brockmann). Statt die Auslagerung des gesammelten Wissens in Apparate nur dankbar hinzunehmen, gälte es, sich für den Bereich des Konzeptuellen stark zu machen, für Theoriearbeit, für Verknüpfungen zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und gesellschaftlichen Systemen. Gerade den Geisteswissenschaften käme hier eine neue Rolle in einer neuen, ‚utopischen Universität‘ zu; man denke nur an das Cassandra-Projekt der Universität Tübingen oder an das DFG-Projekt Literarische Meteorologie der FU Berlin.
Als Agens in diesem Frei-Raum, in dieser mit künstlicher Intelligenz weiter expandierenden universitas bräuchte man allerdings keinen Sklaven der Geräte, der Statistiken, des Fakten- und des Zahlenwissens. Vielmehr wäre als Gegengewicht ein ansatzweise kantisch-humboldtsches Subjekt vonnöten, das einerseits über genügend geistige Offenheit verfügt, um inter- und transdisziplinär zu arbeiten – andererseits aber über genügend Unabhängigkeit und Urteilskraft, um in der Unendlichkeit digital verfügbaren Wissens ein souveräner kybernetes sein zu können.
CV Prof. Dr. Ulrich Johannes Beil, Kyushu University, Fukuoka Ulrich Johannes Beil, Dr. phil. habil., Germanist, Komparatist, Essayist und Lyriker, lehrt seit 2020 als Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Kyushu University in Fukuoka. Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten an den Universitäten München, Göttingen, Sapporo (1988-1991) und São Paulo (2000-2004) arbeitete er von 2006-2017 am NCCR „Mediality“ der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: Klassik, Romantik, Symbolismus, Lyrik; Literatur-, Gattungs- und Medientheorie.

Christopher Schelletter: Utopia Lost – Lässt sich der utopische Charakter der japanischen Universität zurückgewinnen?
12.10 h MEZ - 20.10 h japanischer Zeit ⤵
Was in der Tokugawa-Zeit noch unerreichbar war, verwirklichte die Universität der Meiji-Zeit: Das Wegfallen der Isolationspolitik ermöglichte den Kontakt mit Wissen von Übersee, auf das bis zu diesem Zeitpunkt nur begrenzt zugegriffen werden konnte, ferner war mit der Abschaffung des Ständesystems scheinbar grenzenloser sozialer Aufstieg möglich geworden. Aus diesen Gründen projizierten junge Männer (seinen) – Frauen konnten die Universitäten noch nicht besuchen – große Hoffnungen auf die Universität. Ehrgeizig und lernbegierig versuchten sie, über das meritokratische Universitätssystem den sozialen Aufstieg zu schaffen oder durch Gelehrsamkeit ihren Charakter zu verbessern und nach einer ,metaphysischen Wahrheit’ (shinri) zu suchen. Für diese Generation hatte die Idee der Universität utopischen Charakter. Heute hat die Universität diese Eigenschaft weitestgehend verloren. Wie schneidet die japanische Universität im Kontrast mit der der Meiji- und Taishô-Zeit ab, und lassen sich durch den Vergleich Schwächen des heutigen Universitätssystems erkennen? Insbesondere soll der Einfluss des eigentümlich japanischen Systems der lebenslangen Beschäftigung auf die Universität beleuchtet werden.
CV Dr. des. Christopher Schelletter (Kobe University)

Stefan Brückner: Jenseits von Gamification und Serious Games: Zum utopischen Potenzial digitaler Spiele im formellen universitären Fremdsprachenunterricht
12.30 h MEZ - 20.30 h japanischer Zeit ⤵
„Spielend zu lernen“ ist ein langgehegtes Ideal im Fremdsprachenunterricht. Rollen-, Brett- oder Kartenspiele finden beispielsweise rege Verwendung in Klassenzimmern, um auf amüsante und motivierende (und häufig auch kompetitive) Weise kommunikative Kompetenzen zu vermitteln.
Dieser Beitrag wirft die Frage auf, inwieweit kommerzielle digitale Spiele, also Spiele, die primär für den Unterhaltungsmarkt bestimmt sind, eine sinnvolle ergänzende Komponente im