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Utopie Universität. Eine Ideensammlung

Zoom-Workshop Im Apparat, 4. Dezember 2021

Programm

Eröffnung: Andreas Becker und Christopher Schelletter
9.45 h MEZ - 17.45 h japanischer Zeit

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Andreas de Bruin: Achtsamkeit und Meditation im Hochschulkontext – eine Utopie?
10.00 Uhr MEZ, 18.00 Uhr japanischer Zeit ⤵

An der Hochschule München und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München finden im Rahmen des sogenannten Münchner Modells reguläre Lehrveranstaltungen zum Thema »Achtsamkeit und Meditation« statt. Seit seinen Anfängen im Jahr 2010 wurde das Programm fortwährend erweitert, mittlerweile nehmen pro Semester über 150 Studierende aus mindestens 24 Studiengängen daran teil. Zudem gibt es eine Reihe an Zusatzangeboten für Studierende, Lehrende sowie Angehörige des Hochschulapparats. Das Modell hat inzwischen national sowie international eine hohe Anerkennung und dient als Katalysator für andere Hochschulen, Achtsamkeits- und Meditationsansätze im Hochschulkontext sowie im Bildungssystem allgemein zu verankern.
Im Vortrag berichtet der Initiator und Leiter des Münchner Modells Prof. Dr. Andreas de Bruin über den bisherigen Weg des Münchner Modells. Wie waren die Anfänge der Implementierung? Welche Reaktionen gab es von der Hochschulleitung und aus dem kollegialem Umfeld? Wie war die Resonanz unter den Studierenden? Wie wurden die Lehrinhalte zusammengesetzt und wie die Leistungsnachweise? Am Ende wird auch ein Blick in die Zukunft geworfen: Welche Schritte sind für die Zukunft anvisiert? Welche Chancen und Herausforderungen werden erwartet?
CV Prof. Dr. Andreas de Bruin⤵
Prof. Dr. Andreas de Bruins Hauptfelder in Forschung und Lehre sind Achtsamkeit und Meditation und deren Auswirkungen auf physischer, emotionaler, kognitiver und sozialer Ebene. Er unterrichtet zudem bewusstes Wahrnehmen in der Malerei und in der klassischen Musik; weitere Fächer sind Hochbegabung sowie Kreativität im Allgemeinen.

Weitere Informationen unter [Link]

Einstiegsliteratur (Deutsch/Englisch):⤵
de Bruin, Andreas (2021). Achtsamkeit und Meditation im Hochschulkontext. 10 Jahre Münchner Modell. Bielefeld: transcript. kostenloses E-Book [Link]
Printversion [Link]
Primary literature
de Bruin, Andreas (2021). Mindfulness and Meditation at University. 10 Years of the Munich Model. Bielefeld: transcript.
free e-book (download, English) [Link]
print version (English) Columbia University Press (USA and world) [Link]
print version (English) transcript publishing (Germany) [Link]
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Studio GROSS: Wie werden wir zusammen wohnen?
Der Vortrag wurde leider abgesagt. Wir werden aber den Film zeigen und darüber sprechen!
10.40 Uhr MEZ, 18.40 Uhr japanischer Zeit ⤵

Neben ihrer praktischen und wissenschaftlichen Arbeit sind sie in den Bereichen Film, Fotografie, Illustration und als Kuratoren tätig. Aufgrund der steigenden Nachfrage ihrer interkulturellen Erfahrung als Deutsche in Japan gründeten sie 2019 Studio GROSS.
Ihr Studio: ein kleiner Eckladen in einem leerstehenden Haus (Akiya), der nach einigen Renovierungsarbeiten Raum bietet zum Wohnen, Arbeiten und für die Öffentlichkeit.
Ihre Vision: ein Experimentierfeld für Architektur und Stadt schaffen. Ein Ort, an dem sie sowohl der lokalen Nachbarschaft als auch einem Fachpublikum Inhalte präsentieren, die sich mit der Dynamik von Nachbarschaft und dem Wohnen selbst befassen. Durch Dokumentarfilme und Sanierungsprojekte zeigen sie alternative Nutzungskonzepte, die zum Denken anregen und einen Diskurs starten, der sich mit der Frage beschäftigt: Wie werden wir zusammen wohnen?

In dem Beitrag zeigen wir unseren Dokumentarfilm »A Story of a House« und sprechen darüber.
Anne und Sebastian Gross (2021): A Story of a House [Link]

Homepage Studio GROSS und Infos [Link]
Pause
11.20 h MEZ - 19.20 h japanischer Zeit

Giacomo Greggio: How did Jimi Hendrix play the Villanova Junction at the Woodstock Festival? A practical introduction
11.30 h MEZ, 19.30 h japanischer Zeit ⤵

For years I play Jimi Hendrix songs on guitar and teach how he plays them, what techniques he uses and how he creates his fabulous sounds. I want to demonstrate this in some examples live.
Homepage Greg Guitar [Link]
Ulrich Johannes Beil: »Sind wir dazu verdammt, intelligent zu werden?« Mit Humboldt in den neuen Frei-Raum des Digitalen
11.50 h MEZ - 19.50 h japanischer Zeit ⤵
Durch die Auslagerung ungeheurer Wissensmengen aus unseren Köpfen in winzige „Techno-Prothesen“ haben wir in der Epoche der fortgeschrittenen Digitalisierung, wie Michel Serres betont hat, zusehends Freiraum gewonnen. Dieser Freiraum scheint noch immer zu wenig genutzt zu werden.
Es wäre von daher an der Zeit, dass das wissenschaftliche ‚Selbst‘ sich von einem vielbeschäftigten Datensammler in ein Subjekt der Koordination und Verknüpfung verwandelt, der Erfindung und des geistigen ‚Nomadentums‘ (Dirk Brockmann). Statt die Auslagerung des gesammelten Wissens in Apparate nur dankbar hinzunehmen, gälte es, sich für den Bereich des Konzeptuellen stark zu machen, für Theoriearbeit, für Verknüpfungen zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und gesellschaftlichen Systemen. Gerade den Geisteswissenschaften käme hier eine neue Rolle in einer neuen, ‚utopischen Universität‘ zu; man denke nur an das Cassandra-Projekt der Universität Tübingen oder an das DFG-Projekt Literarische Meteorologie der FU Berlin.
Als Agens in diesem Frei-Raum, in dieser mit künstlicher Intelligenz weiter expandierenden universitas bräuchte man allerdings keinen Sklaven der Geräte, der Statistiken, des Fakten- und des Zahlenwissens. Vielmehr wäre als Gegengewicht ein ansatzweise kantisch-humboldtsches Subjekt vonnöten, das einerseits über genügend geistige Offenheit verfügt, um inter- und transdisziplinär zu arbeiten – andererseits aber über genügend Unabhängigkeit und Urteilskraft, um in der Unendlichkeit digital verfügbaren Wissens ein souveräner kybernetes sein zu können.
CV Prof. Dr. Ulrich Johannes Beil, Kyushu University, Fukuoka Ulrich Johannes Beil, Dr. phil. habil., Germanist, Komparatist, Essayist und Lyriker, lehrt seit 2020 als Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Kyushu University in Fukuoka. Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten an den Universitäten München, Göttingen, Sapporo (1988-1991) und São Paulo (2000-2004) arbeitete er von 2006-2017 am NCCR „Mediality“ der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: Klassik, Romantik, Symbolismus, Lyrik; Literatur-, Gattungs- und Medientheorie.

Christopher Schelletter: Utopia Lost – Lässt sich der utopische Charakter der japanischen Universität zurückgewinnen?
12.10 h MEZ - 20.10 h japanischer Zeit ⤵
Was in der Tokugawa-Zeit noch unerreichbar war, verwirklichte die Universität der Meiji-Zeit: Das Wegfallen der Isolationspolitik ermöglichte den Kontakt mit Wissen von Übersee, auf das bis zu diesem Zeitpunkt nur begrenzt zugegriffen werden konnte, ferner war mit der Abschaffung des Ständesystems scheinbar grenzenloser sozialer Aufstieg möglich geworden. Aus diesen Gründen projizierten junge Männer (seinen) – Frauen konnten die Universitäten noch nicht besuchen – große Hoffnungen auf die Universität. Ehrgeizig und lernbegierig versuchten sie, über das meritokratische Universitätssystem den sozialen Aufstieg zu schaffen oder durch Gelehrsamkeit ihren Charakter zu verbessern und nach einer ,metaphysischen Wahrheit’ (shinri) zu suchen. Für diese Generation hatte die Idee der Universität utopischen Charakter. Heute hat die Universität diese Eigenschaft weitestgehend verloren. Wie schneidet die japanische Universität im Kontrast mit der der Meiji- und Taishô-Zeit ab, und lassen sich durch den Vergleich Schwächen des heutigen Universitätssystems erkennen? Insbesondere soll der Einfluss des eigentümlich japanischen Systems der lebenslangen Beschäftigung auf die Universität beleuchtet werden.
CV Dr. des. Christopher Schelletter (Kobe University)

Stefan Brückner: Jenseits von Gamification und Serious Games: Zum utopischen Potenzial digitaler Spiele im formellen universitären Fremdsprachenunterricht
12.30 h MEZ - 20.30 h japanischer Zeit ⤵
„Spielend zu lernen“ ist ein langgehegtes Ideal im Fremdsprachenunterricht. Rollen-, Brett- oder Kartenspiele finden beispielsweise rege Verwendung in Klassenzimmern, um auf amüsante und motivierende (und häufig auch kompetitive) Weise kommunikative Kompetenzen zu vermitteln.
Dieser Beitrag wirft die Frage auf, inwieweit kommerzielle digitale Spiele, also Spiele, die primär für den Unterhaltungsmarkt bestimmt sind, eine sinnvolle ergänzende Komponente im universitären Fremdsprachenunterricht darstellen können und sollten. Dazu wird zunächst festgestellt, dass ein zeitgerechter Fremdsprachenunterricht idealiter nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Kompetenzen und landeskundliches Wissen vermittelt. Außerdem wird eine Form des formalen Fremdsprachenunterrichts skizziert, die die informellen Lernaktivitäten Lernender, sowie deren mediale Umgebungen miteinbezieht.
Anschließend werden digitale Spiele als virtuelle Räume definiert, die bei richtiger Selektion und Begleitung durch die Lehrenden auf vielfältige Weise sowohl der Vermittlung sprachlicher und kommunikativer als auch kultureller Kompetenzen dienen können. Anhand konkreter Beispiele wird erläutert, wie Spiele erfolgreich in den Unterricht integriert werden können und welche Vorteile für Lernende und Lehrende daraus entstehen können. Abschließend werden die potenziellen Barrieren thematisiert, die dem Einsatz kommerzieller Spiele im Unterricht entgegenstehen. Somit erfolgt eine Gegenüberstellung des utopischen Potenzials des spielenden Lernens im Fremdsprachenunterricht und der gegenwärtigen Wirklichkeit an vielen Universitäten.
CV Stefan Brückner, Assist. Prof., PhD, Keiō University, Graduate School of Media and Governance (Kobe University)

Andreas Becker: Phase I der anachronistischen Universität: Die Idee eines Stipendiums auf Lebenszeit
12.50 h MEZ - 20.50 h japanischer Zeit ⤵
Die Überlegung ist einfach: Nur Menschen, die in wirtschaftlicher Unabhängigkeit le­ben, können in Ruhe forschen: Ökonomische Unabhängigkeit ist die Bedingung geis­tiger Freiheit. Das Stipendium auf Lebenszeit ist ein Projekt. Das Ziel ist es, zunächst zwei jungen Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren ein Stipendium in Höhe von 2.500,- EUR monatlich zzgl. einer Forschungspauschale von 2.500 EUR ohne Bedingungen und ohne Kontrolle für die Dauer von 80 Jahren zu gewähren. Am Beginn steht also das Vertrauen in diese Menschen. Gesucht sind also Förderer, Stiftungen und Mäzen, die bereit sind, langfristig in Zeiträumen von 80 Jahren zu denken. Das ist für Institutionen nichts Ungewöhnliches, nur denkt man in Bezug auf Menschen außer bei der Rentenkasse nie in solchen Zeiträumen. Die Gesamtkosten für zwei Personen, bei 80 Jahren Förderung betrügen 9.600.000 EUR. Bedenkt man, dass die Kosten für das Humboldt-Forum derzeit bei ca. 680.000.000 Euro liegen [1], so ließen sich damit ca. 70 Personen mit einem Stipendium auf Lebenszeit ausstatten und könnten so “Spuren des lebendigen Wirkens” zurücklassen, wie es in Humboldts Theorie der Bildung des Menschen heißt.

[1] ”Humboldt-Forum wird immer teurer. Baukosten für Berliner Schloss knacken 680-Millionen-Grenze”, Tagesspiegel, 25.2.2021, https://www.tagesspiegel.de/berlin/humboldt-forum-wird-immer-teurer-baukosten-fuer-berliner-schloss-knacken-680-millionen-grenze/26951796.html
CV Assoc. Prof. Dr. Andreas Becker Andreas Becker, Assoc. Prof. Dr. phil. habil. – Film‑ und Medienwissenschaftler an der Faculty of Letters der Keiō-Universität Tōkyō (seit 2016). 2014–2016 Eigene Stelle als Leiter des DFG-Projekts Yasujirō Ozu und der westliche Film. 2018 Habilitation zu Yasujirō Ozu, 2003 Promotion zur Zeitraffung und Zeitdehnung im Film – beides an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Publikationen/Forschungsschwerpunkte: Yasujirō Ozu, die japanische Kulturwelt und der westliche Film (Transcript 2020), Erzählen in einer anderen Dimension. Zeitdehnung und Zeitraffung im Spielfilm (Büchner 2012); Perspektiven einer anderen Natur. Zur Geschichte und Theorie der filmischen Zeitraffung und Zeitdehnung (Transcript 2004); der japanische und der westliche Film, komparative Ästhetik und Phänomenologie des Films, Zeitdarstellung im Film und in den Medien.
Homepage: www.zeitrafferfilm.de.

Joachim Alt: Die Universität als elitärer Mikrokosmos
13.10 h MEZ - 21.10 h japanischer Zeit ⤵
Der Begriff „Universität“ als solcher leitet sich, je nach Auslegung, vom lateinischen unversitas magistorum et scolarium – der Gemeinschaft der Lehrer und Schüler –, oder dem ganz ähnlichen, gleichfalls lateinischen und von Humboldt geprägten universitas litterarum – der Gesamtheit der Wissenschaften – ab. Und ganz grundsätzlich stimmt es wohl, dass auch an der modernen Universität die Gesamtheit der Wissenschaften vertreten ist – in als „Fakultäten“ bezeichneten Mikrokosmen, die in ihrer Existenz zunächst auf sich selbst gerichtet sind.
Ähnlich den Fakultäten als Mikrokosmen innerhalb der Universität verhält es sich mit der Universität als solcher - sie ist ein Mikrokosmos in der Gesellschaft, allzu oft mit sich selbst beschäftigt. Der Blick richtet sich also, zu kleinen Teilen auf Erlebnisse aus deutscher, japanischer und anglo-pazifischer Sicht, wie etwa dem unlängst an Popularität gewinnenden Melbourne Curriculum, aufbauend, auf die Universität als Mikrokosmos der Bildungselite, die Mikrokosmen in diesem Mikrokosmos, der doch eigentlich das Universum des Wissens sein soll und die vielleicht unvermeidbaren Umstände, denen wir diese Verkapselung zu verdanken haben mögen. Am Ende dieser Überlegungen steht dann die im Gedankenspiel zu beantwortende Frage, wie die Universität wieder zu einem offenen, um nicht zu sagen grenzenlosen, Universum werden kann.
CV Joachim Alt, PhD PhD (Intercultural Communication)
Tokyo University of Social Welfare (Lecturer)
J. F. Oberlin University (Lecturer)
Forschung: Einfluss von Medieninhalten auf kulturelles Selbstverständnis von Gesellschaften mit Fokus auf Japan, bisher am Beispiel der Darstellung des 2. Weltkriegs in japanischen Animationsfilmen Gebiete: Area studies / Japanologie, Kulturtheorie, medienbez. Anthropolgie / Soziologie

Abschlussdiskussion
13.30 h MEZ - 21.30 h japanischer Zeit

Teilnahme
Bitte senden Sie eine E-Mail an becker.andreas@posteo.de. Ich sende Ihnen die Zoom-Zugangsdaten dann zu.

Literatur und Medien

Literatur ⤵ Bloch, Ernst: Geist der Utopie. Erste Fassung, Berlin: Suhrkamp 2018.
Bruin, Andreas de: Achtsamkeit und Meditation im Hochschulkontext. 10 Jahre Münchner Modell, Bielefeld: transcript 2021. [Link]
Derrida, Jacques: Die unbedingte Universität, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001.
Haß, Ulrike (Hrsg.) und Müller-Schöll, Nikolaus (Hrsg.): Was ist eine Universität? Schlaglichter auf eine ruinierte Institution, Bielefeld: Transcript 2009.[Link]
Horst, Johanna-Charlotte (Hrsg.) (u.a.): Was ist eine Universität. Texte und Positionen zu einer Idee, Zürich: Diaphanes.
Müller, Ernst (Hrsg.): Gelegentliche Gedanken über Universitäten, Leipzig: Reclam 1990.
Husserl, Edmund: Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie, hrsg. von Walter Biemel, Husserliana Bd. VI, Haag: Nijhoff 1954.
Murakami, Haruki: Unrealistischer Träumer, Dankesrede von Haruki Murakami zur Verleihung des International Catalunya Prize am 11.Juni 2011.
Nietzsche, Friedrich: Morgenröthe, , in: KSA Bd. 3, hrsg. von Giorgio Colli, München: dtv (u.a.) 1980. [Link]
Ders.: Die fröhliche Wissenschaft, in: KSA Bd. 3, hrsg. von Giorgio Colli, München: dtv (u.a.) 1980. [Link]
Voßkamp, Wilhelm (Hrsg.): Utopieforschung. Interdisziplinäre Studien zur neuzeitlichen Utopie, 3 Bde. Metzler, Stuttgart 1982.
Voßkamp, Wilhelm (Hrsg.); Blamberger, Günter (Hrsg.); Roussel, Martin (Hrsg.): Möglichkeitsdenken. Utopie und Dystopie in der Gegenwart, München: Fink 2013.[Link]
Weber, Max: Wissenschaft als Beruf, in: ders.: Politik und Gesellschaft, Frankfurt am Main: Zweitausendeins 2006, S. 1016-1041.
Weiterführende Literatur ⤵ Geschichte, Kultur, Bildung und Verwaltung der Universität
Bollenbeck, Georg: Bildung und Kultur. Glanz und Elend eines deutschen Deutungsmusters, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1996.
Corn, Joseph J. (Hrsg.): Imagining Tomorrow: History, Technology, and the American Future, Cambridge: MIT Press 1986. Friedeburg, Ludwig von: Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992. Grundmann, Herbert: Vom Ursprung der Universität im Mittelalter, Berlin: Akademie 1957.
Hörisch, Jochen: Die ungeliebte Universität. Rettet die Alma mater!, München: Hanser 2006.
Kluge, Alexander: Die Universitäts-Selbstverwaltung. Ihre Geschichte und gegenwärtige Rechtsform, Frankfurt am Main: Klostermann 1958.
Killius, Nelson (Hrsg.) (u.a.): Die Zukunft der Bildung, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2002.
Killius, Nelson (Hrsg.) (u.a.): Die Bildung der Zukunft, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2003.
Koschorke, Albrecht. 2004. „Wissenschaftsbetrieb als Wissensvernichtung. Einführung in die Paradoxologie des deutschen Hochschulwesens.“ In: Dorothee Kimmich und Alexander Thumfart (Hrsg.). Universität ohne Zukunft? Frankfurt/M.: 142-157.
Liesner, Andrea (Hrsg.)/Sanders, Olaf (Hrsg.): Bildung der Universität, Beiträge zum Reformdiskurs, Bielefeld: transcript 2005. [Link]
Rüegg, Walter (Hrsg.): Geschichte der Universität in Europa, Bd. 1-4, München : Beck 1993-2010.
Schnell, Ralf: Immer mehr Studierende, immer weniger Bildung?, Tagesspiegel, 4.7.2021, [Link]

Architektur
Archinform, Datenbank der Architektur [Link]
Beuckers, Klaus Gereon (Hrsg.): Architektur für Forschung und Lehre. Universität als Bauaufgabe, Kiel : Ludwig 2010.
Breuer, David (u.a.): Baumeister der Revolution: Sowjetische Kunst und Architektur 1915-1935, Essen: Mehring-Verl. 2011.
Le Blanc, Thomas (Hrsg.): Utopische Räume: Phantastik und Architektur, Wetzlar:  Phantastische Bibliothek 2008.
Mitchell, William J.: Imagining MIT: designing a campus for the twenty-first century, Cambridge: MIT Press 2007.
Thomsen, Christian W.: Architekturphantasien: von Babylon bis zur virtuellen Architektur, München: Prestel 1994.
Weihsmann, Helmut: Gebaute Illusionen: Architektur im Film, Wien: Promedia 1988.

Zeitschriften, Sonderausgaben
Utopian Studies (Journal), Editor Nicole Pohl, Arts and Humanities, Oxford Brookes University, GB. [Link]
Spaces of Utopia (Journal) [Link]
Tetsugaku, Philosophy and University Vol. 1 (2017) [Link]

Youtube-Videos

Youtube ⤵

Call for Papers

»Vorstellungen sind auch ein Leben und eine Welt.«
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher (F 537)

Utopie Universität. Eine Ideensammlung

Die Vorlesungsreihe Im Apparat veranstaltet am 4. Dezember 2021 einen Zoom-Workshop zum Thema Utopie Universität. Eine Ideensammlung
Utopie, der Begriff bedeutet wörtlich Nicht-Ort. Bei Utopien geht es darum, Ideen von möglichen Welten, Gesellschaften, Institutionen zu entwickeln. Das Phantastische, Gedankenexperimente und erfundene Szenarien etwa sind Darstellungsmittel der Utopie. Die Universität als kultureller Ort ist ihrerseits geprägt von solchem – vermeintlich unrealistischem – Denken, aus dessen Fundus heraus dann doch die Gesellschaft ihre Zukunftsprojekte entwickelt. Antworten darauf, was Universität denn sei, haben ein utopisches Potential: offener Grenzort, wo die Infragestellung möglich ist, von Bewährtem abgewichen wird, vorhandene Grenzen überschritten werden (Bernhard Waldenfels: Universität als Grenzort), wo es unbedingte Freiheit gibt, „das Recht, öffentlich auszusprechen, was immer es im Interesse eines auf Wahrheit gerichteten Forschens, Wissens und Fragens zu sagen gilt“ (Jacques Derrida, Die unbedingte Universität), wo die Wissenschaft sich als ‚nie ganz Aufzufindende‘ versteht – also ein Ort des Suchens (Wilhelm von Humboldt: Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin) oder, was Humboldt unter Bildung versteht, die „letzte Aufgabe unseres Daseyns“, „dem Begriff der Menschheit in unsrer Person, sowohl während der Zeit unsres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so großen Inhalt, als möglich, zu verschaffen, diese Aufgabe löst sich allein durch die Verknüpfung unsres Ichs mit der Welt zu der allgemeinsten, regesten und freiesten Wechselwirkung.“ (Wilhelm von Humboldt: Theorie der Bildung des Menschen). Die Universität ist ein Ort, an dem kulturelle Globalisierung praktiziert wird, wo also Sprachen, kulturelle Prämissen und Denkmuster miteinander verglichen und ineinander übersetzt werden. Auch Edmund Husserl betont dieses kosmopolitische Selbstverständnis im Denken, wenn er die Philosophen als „Funktionäre der Menschheit“ fasst (Edmund Husserl: Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie, § 7)
Der Workshop knüpft an frühere Veranstaltungen an und hat zum Ziel, die Idee der Universität zu erweitern und das utopische Potential zu erneuern, interessante Ansätze zu sammeln und zu konkretisieren. Gesucht werden Beiträge, die eine spezifische Idee umkreisen, einen Hinweis, eine Skizze, gerne auch aus der Architektur, der Verwaltung, die Medien etc. betreffend. Dabei geht es nicht nur um medien- und filmwissenschaftliche Ideen, sondern gerade auch um interdisziplinäre Bereiche und Vernetzungen, etwa des universitären Klinikums, der Medizin, der naturwissenschaftlichen Forschung mit der geisteswissenschaftlichen, um Bestimmungen dessen, was Universität überhaupt sein soll und kann.
Mögliche Themenfelder für Beiträge wären: ⤵
* Medien und Wissen, Bild und Sprache
* Unrealisierte Potentiale der Universität, der Klöster, der Schulen, Hochschulen und Akademien
* Verwaltungsideen und Finanzierungsmodelle, Fächergrenzen und Ökonomien
* Neue Felder der Forschung
* Bewussteinsschulung und Universität (Meditation, Hypnose, Yoga, Achtsamkeit)
* Psychedelische Erfahrungsräume, Bewusstseinsexperimente
* Architektur und Universität, Lern-, Verstehens- und Wissensräume entwerfen, Orte des Wissens generieren (Bauhaus, Oscar Niemeyer, Terunobu Fujimori, John Lautner, 3deluxe, Ryue Nishizawa und Kazuyo Sejima, Verner Panton, Bühnendesign/Filmkulissen Hiromasa Ogura, Erich Kettelhut, Otto Hunte, Ken Adam etc.)
* Geschichte der Utopien, Anachronismen und deren Scheitern
* Denkfehler und spinnerte Ideen, die sich als gut erwiesen
* Gedankenexperimente
* Vergessene Felder der Forschung
* Kunst und Wissenschaft und deren Relation
* Alternative Finanzierungsformen
* Freiheit neu denken und schützen
* Digitalisierung, ungenutzte Potentiale
* Neue Öffentlichkeiten, Synergien
* Kulturelle Zusammenarbeit, Projektideen für Gedankenaustausch
* Gerechter Zugang zur Universität
* Institutionen und Staat, Staat und Universität, Selbstverwaltung
* Globalisierung und Klima
* Planetare Universität, Science Fiction und Verstehens- und Wissensräume (Isaac Asimov, Philip K. Dick, William Gibson)
* Ideen und Potentiale des Archivs
* Leiberfahrung, Gender-Utopien, Gefühle und Wissen
* Umgang mit Zeit und Raum
* Gedenkstätten, Sepulkralkultur, Erinnerung und gesellschaftliches Gedächtnis
* Fröhliche Wissenschaft, »Luftschifffahrer des Geistes« (Friedrich Nietzsche)
* Ent- und Verzauberung der Welt durch Wissenschaft (Max Weber)
* Zielgerichtetheit und Offenheit
* Hegemonie und Kritik
* Subversion und Politik, Universität als politischer Ort
* Legitimierungsstrategien normativer Utopien
* Verstehen und Lernen
* Kontrolle und Vertrauen
* Universität als Ort des Lebens (Academical Village)
* Reisen und Bildung, Bildung ohne Institution, Erziehungsanstalten vs. Bildungsanstalt (Hermann Keyserling, Hubert Fichte, Johann Wolfgang Goethe)
* Dystopien, Auswahlverfahren, Konkurrenz
* Meta-Überlegungen, Praxis und Universität, Egalitarismus, meritokratische Utopie
* Universitäten im kulturellen Vergleich, Milieu, Rankings
* kulturelles Kapital
* Bildung als Utopie (ästhetische Erziehung)
* Wissensformen, Tugenden, Eudämonismus
* Elfenbeintürme, Traumschlösser, der grüne Tisch, der runde Tisch, Taugenichtse, Narren, Clowns und Harlekine
* Beispiele

Die Veranstaltung findet ausschließlich online per Zoom statt.
Wir bitten um die Zusendung eines kurzen Abstracts von ca. 200 Wörtern bis zum 31.10.2021 an becker.andreas@posteo.de.
Organisation
Assoc. Prof. Dr. Andreas Becker und Dr. des. Christopher Schelletter
Voraussichtlich sind für jeden Beitrag in dem Workshop 10 Minuten für den Vortrag und zzgl. Diskussion vorgesehen. Es geht dabei nicht darum, die wissenschaftliche Literatur aufzuarbeiten oder zu referieren, sondern die Präsentation einer konkreten Idee soll im Fokus stehen. Dabei sind auch alternative Präsentationsformen wie Zeichnungen, Videos, Musik, theatrale Performances, Gespräche und Interviews etc. möglich.
Sollten die Zahl eingesandten Beiträge den Zeitraum des Workshops übersteigen, wird dieser fortgesetzt.
Call-for-Papers bis zum 31. Oktober 2021[pdf]

Gefördert vom DAAD Tokyo.
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Aktualisiert am 13.11.2021., V.i.S.d.P., Andreas Becker, E-Mail becker.andreas[at]posteo.de